Flugzeiten

Den nachfolgenden Ausführungen muss vorausgeschickt werden, dass sie sich allein auf meine eigenen Fänge, die zum überwiegenden Teil in zentraleuropäischen Mittelgebirgsregionen durchgeführt wurden, beziehen. Untersuchungen im Tiefland oder in höheren Gebirgsregionen beinhalten andere Voraussetzungen. Auch ist zu beachten, dass die Bedingungen an zu untersuchenden Gewässern unterschiedlich sind.

 

Benthosuntersuchungen (zur Erfassung von Larven und Puppen)

Zum Fang von Larven gibt es  verschiedene Techniken. Diese reichen vom Absammeln der Tiere mit einer Pinzette von Gewässerstrukturen wie Steinen oder Ästen, die aus dem Gewässer entnommen wurden über das Durchsieben des Substrates mit einem einfachen Küchensieb bis zur Kicksampling-Methode, bei der das Bodensubstrat in einem Fließgewässer mit den Füßen hoch-”gekickt” wird und darin enthaltene Tiere von der Strömung in einen dahinter gehaltenen Wasserkescher oder einen Surber-Sampler verfrachtet werden. Diese und weitere Methoden sind u. a. beschrieben in SCHWOERBEL, J. (1994).

Bei Benthosuntersuchungen  sind die Wassertiefe und die Höhe der Stiefel oder Wathose jedoch meist die limitierenden Faktoren für die Besammlung von Strukturen am Gewässergrund. Hyporhithrale und potamale Fließgewässer sowie größere Weiher oder Seen können  nur in den Randbereichen besammelt werden. Hieraus resultieren für solche Gewässer oft wenig repräsentative Artenlisten, da Artenvorkommen in größeren Gewässertiefen nicht erfasst werden, während dies bei krenalen oder rhithralen Fließgewässern oder flachen Stillgewässern relativ problemlos gelingt. Die Lösung dieses Problems erfordert einen erheblichen Aufwand durch den Einsatz von Booten, Dredgen oder anderen Geräten.

 

Lichtfang

Mir wurde im Laufe der Zeit klar, dass man Köcherfliegen nicht von einem exponierten Standort aus mit starken Lichtquellen über größere Entfernungen ans Licht locken kann. (Siehe hierzu auch die Seite “Technische Ausstattung zum Lichtfang” ).
Nach meinen Beobachtungen werden umherfliegende, mit Lichtfallen gut fangbare Trichoptera sicher angelockt, wenn sie sich dem Leuchtturm auf 1 bis 3 m genähert haben. Köcherfliegen, die den Leuchtturm in Entfernungen von 5 bis 10 m passieren, werden nur zum Teil angezogen. Bei Entfernungen von über 10 m scheinen nur noch große Limnephilidae angelockt zu werden und auf manche Gattungen oder Arten wirken Lichtfallen kaum anziehend. Diese Beobachtungen führen zu zwei Schlussfolgerungen:

  • Lichtfang auf Köcherfliegen macht nur Sinn, wenn diese auch “fliegen”, d. h. wenn sie mobil sind (siehe auch: Fangplätze und -zeiten).
  • die Lichtfalle muss zu den Köcherfliegen, d. h. in die Habitate der Köcherfliegen und in die Nähe von Strukturen gestellt werden, die auf die Tiere eine zusätzliche Lockwirkung ausüben oder eine bestimmte Flugbahn erzwingen.

Aus diesen Gründen stelle ich oft drei oder vier Leuchttürme in einem Gebiet an unterschiedlichen Gewässerstrukturen auf.

Die Verweildauer der Tiere am Leuchtturm ist unterschiedlich. Nach meinen Beobachtungen bleiben manche Trichoptera (Hydroptilidae, Glossosomatidae, Phryganeidae, Limnephilidae) ausdauernd am Turm, wobei sie oftmals suchend auf der Oberfläche umherlaufen, während z.B. Rhyacophilidae, Hydropsychidae oder Polycentropodidae oft nur kurz verweilen und nach wenigen Minuten wieder in die Dunkelheit abfliegen. Eine regelmäßige Kontrolle und das Absammeln angeflogener Tiere in kurzen Zeitabständen verbessert daher das Fangergebnis am Leuchtturm. Philopotamidae gehören zu den Arten, die sich durch Licht kaum anlocken lassen. Jedes zufällig gelandete Tier dieser Gattung sollte deshalb sofort gefangen werden, da es mit Sicherheit in Kürze wieder verschwindet.
(Um Gattungen oder Arten am Leuchtturm bestimmen zu können, bedarf es natürlich einiger Übung ...)

 

Streifnetz-oder Kescherfang

Für faunistische Untersuchungen bevorzuge ich den Lichtfang am Leuchtturm und den ergänzenden Streifnetz-oder Kescherfang in der Ufervegetation, da die zu untersuchenden Tiere selektiv gesammelt werden können und unbeabsichtigt angelockte oder mitgefangene andere Tiere freigelassen werden können.
Da nur wenige Köcherfliegenarten tagsüber fliegen und mit handelsüblichen Keschern (Schmetterlingsnetz) zu erbeuten sind, habe ich mir einen Tricho-Streifkescher gebaut, der

  • leicht und damit schnell genug ist, um frei fliegende Imagines zu erbeuten und zugleich
  • robust genug ist, um die bachbegleitende Vegetation zu durchstreifen.

Er besteht aus einem dünnen, aber sehr reißfesten Feingewebe (Chiffon, dunkelgrün), das von einen Rahmen aus einer rund gebogenen, 20 mm breiten und ca. 2 mm dicken Aluminiumleiste gehalten wird. Die Netzoberkante besteht aus stärkerem Stoff (Leinen o. ä.), die Netzöffung beträgt 40 cm. Der Aluminiumrahmen wird von einem handelsüblichen auf ca. 1,60 m ausziehbaren langen Kescherstil aus Flugzeugaluminium gehalten.
Mit diesem Kescher kann ich ohne Sorge um das Netz sowohl Gräser- und Staudenbestände wie auch Zweige und Äste von Uferbäumnen abstreifen und auffliegende Tiere oder solche, die sich fallen lassen, einfangen.

 

Malaisefallen

Malaisefalle in Philippsheim an der Kyll. Foto: P. J. NeuMalaisefallen habe ich bisher  eingesetzt, wenn es darum ging, ein möglichst breites Spektrum der an einer Stelle vorkommenden Arten zu erfassen. Sie können nach etwas größerem Aufbauaufwand über Monate am gleichen Ort bleiben und sind ständig fängig. Lediglich die Fangbehälter müssen regelmäßig geleert und mit Konservierungsflüssigkeit bestückt werden.Malaisefallen haben für den auf aquatische Arten spezialisierten Entomologen allerdings folgende, nicht immer erwünschte Eigenschaften:

    sie sind groß und auffällig und der Gefahr ausgesetzt, den Attacken vandalistischer Zeitgenossen oder überengagierter Naturschützer ausgesetzt zu sein,

    an guten Standorten sind die Fangmengen enorm,

    auch terrestrische Arten fangen sich in großer Zahl darin.

Malaisefalle Bauanleitung

 

Emergenzfallen

Zum gleichen Zweck können auch Emergenzfallen und Klebefallen eingesetzt werden. Die flügellosen Weibchen von Enoicyla pusilla (BURMEISTER, 1839) lassen sich nur mit Barberfallen fangen, gelegentlich findet man sie auch in einer Malaisefalle.

 

Zuordnung gefangener Individuen

Eine sichere Zuordnung gefangener Tiere zu einem Gewässer erlauben nur Emergenzfallen und Larvenaufsammluingen. Letztere haben aber den Nachteil, dass ein Teil der Köcherfliegenlarven immer noch nicht sicher bis zur Art bestimmbar ist.

 

Literatur

MALICKY, H. (1987): Anflugdistanz und Fallenfangbarkeit von Köcherfliegen (Trichoptera) bei Lichtfallen. -Jber. Biol. Stn. Lunz 10 : 140-157.

PITSCH, T. (1993): Zur Larvaltaxonomie, Faunistik und Ökologie mitteleuropäischer Fießwasser-Köcherfliegen (Insecta - Trichoptera). - TU Berlin, Landschaftsentwicklung und Umweltforschung, Sonderheft 8, Berlin.

SCHWOERBEL, J. (1994): Methoden der Hydrobiologie, Süßwasserbiologie. - UTB, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart.