Trichoptera RP  -  die Köcherfliegenseiten von Peter J. Neu

Taxonomie

Einen Überblick über die in Deutschland bislang nachgewiesenen Trichoptera-Arten bietet Ihnen die Systematische Liste.

Angaben zu älteren und aktuellen Bestimmungswerken sowie Bestimmungsschlüssel zu den Familien und Gattungen finden Sie, wenn Sie links in der Navigationsleiste ”Bestimmungsliteratur” auswählen.

Unter “Bestimmung der Imagines” finden Sie eine Seite mit Informationen zur Terminologie sowie einen Familien- und Gattungsbestimmungsschlüssel. Die dichotomen Auswahl-Alternativen des zur besseren Unterscheidbarkeit gelb unterlegten Familienschlüssels sind untereinander sowie mit dem Gattungsschlüssel (blau unterlegt) verlinkt. Dies bedeutet, dass beim Anklicken einer Alternative (Zahl) die weiterführende Alternative des Familienschlüssels angezeigt wird. Beim Anklicken einer Familie in der rechten Spalte des Familienschlüssels werden Sie sofort zum entsprechenden Abschnitt des Gattungsschlüssels weitergeleitet. Zur jeweiligen Art müssen Sie sich mit Hilfe Ihrer Literatur derzeit noch selbst vorarbeiten.

Unter der Seite “Bestimmung der Imagines” sowie unter “Bestimmung der Larven” sind weiterhin einige vom bzw. in Zusammenarbeit mit dem Autor erstellte Arbeiten eingefügt die helfen sollen,  immer wieder auftauchende Schwierigkeiten sowie eine Reihe von "klassischen" Problemfällen bei der Artbestimmung von Imagines und Larven der Köcherfliegen zu beseitigen.

Den Bestimmungsschlüsseln für die in Deutschland vorkommenden Arten liegt das Werk von Tobias & Tobias (1981) zugrunde (siehe: Bestimmungsliteratur), auf dessen Abbildungen der Gattungsschlüssel verweist. Zwischenzeitlich für Deutschland neu nachgewiesene Arten sind darin nicht enthalten und auch die darin skizzierten Verbreitungsgebiete können nur noch als Anhaltspunkte verstanden werden.
Systematisch und nomenklatorisch aktueller ist das Werk von Malicky (2004), dass die derzeit in Europa bekannten Arten bearbeitet. Der dargestellten Artenzahl  entsprechend schwieriger ist jedoch auch das Vergleichen der größeren Zahl von Abbildungen mit einem zu bestimmenden (in Deutschland gefangenen) Exemplar. Einem versierten Köcherfliegen-Spezialisten bereitet dies keine Probleme, der Einsteiger in diese Gruppe wird jedoch möglicherweise frustriert sein und die Lust verlieren.

Meine Empfehlung an alle herzlich willkommenen Einsteiger lautet deshalb:

 

Mit Hilfe des Familien- und Gattungsschlüssels und einem “Tobias”  auf dem Schreibtisch anfangen und nach Einarbeitung in die Trichoptera auf einen “Malicky” umsteigen.

 

Hinweis:

Um den eigenen Bestimmungen den ihnen gebührenden wissenschaftlichen Wert zu verschaffen ist es unerlässlich, die eigenen Determinationen äußerst selbstkritisch zu prüfen. Diese Prüfung sollte den Abgleich Ihrer eigenen Informationen z. B.  zum Zeitpunkt des Fanges (Flugzeit), zu den ökologischen Ansprüchen der Art an ihr Habitat, zu den bekannten Verbreitungsgebieten und zu morphologischen Kriterien (Vorderflügellänge, Maxillarpalpen- und Spornzahl etc.) beinhalten. Erst wenn dies alles mit den Angaben in ihrer hoffentlich bald umfangreicher werdenden Literatursammlung übereinstimmt und auch die Bestimmungsabbildungen zu ihrem Tier passen, sollten Sie einen Artnamen auf das Etikett schreiben. Wenn Zweifel an Ihrer Determination bestehen bleiben, können Sie auch Kontakt mit einem Spezialisten suchen, der Ihnen - wenn die Zeit es zulässt - gerne weiterhelfen wird. Erst wenn Sie alle Zweifel ausgeräumt haben, sollten Sie Artenlisten oder Funde seltener Arten publizieren oder anderen Personen und Institutionen zugänglich machen. Und wenn Sie die Zweifel bei einzelnen Tieren nicht ausräumen können, belassen Sie es bei der Angabe des Gattungs- oder Familiennamens mit dem Zusatz “sp.” oder bestenfalls bei “cf. + Artname” (lat. = confer - vergleiche). Dies erleichtert den Faunisten ihre Arbeit ungemein, denn die Überprüfung, ob eine bislang nur aus den Pyrenäen oder den Karpaten bekannte Art tatsächlich im Harz oder im Schwarzwald vorkommt, ist  ungemein zeitaufwendig.

Zum Trost: Nobody is perfect!
Auch meine Sammlung enthielt schon fehlbestimmt Exemplare aus früheren Zeiten und ist nicht fehlerfrei. Sofern Arten vor Publikum diskutiert wurden oder in Publikationen Eingang gefunden haben ist es aber unerlässlich, diese Fehlbestimmungen zu korrigieren, um andere Bearbeiter vor der Übernahme fehlerhafter Angaben zu bewahren und selbst glaubwürdig zu bleiben (siehe: Unterscheidung von Wormaldia occipitalis Typ1 und Typ 2).

Eine weitere Fehlbestimmung war die Determination zweier Larven von Rhyacophila aquitanica McLACHLAN, 1879 aus dem Schwarzwald bei Hinterzarten als Rhyacophila pubescens PICTET, 1834. Erst durch den Besuch von Miklos Balint, einem rumänischen Biologen, der meine Sammlung nach seinem Forschungsobjekt R. aquitanica durchsah, fiel der infolge fehlender einschlägiger Bestimmungsliteratur sicherlich verzeihliche Fehler auf. Dennoch ärgert mich mein Irrtum, denn ich hatte mich bei der Bestimmung noch gefragt, warum die sicherlich calciphile R. pubescens an einem Ort vorkommt, an dem weit und breit keine kalkhaltigen geologischen Formationen bekannt sind.

R. aquitanica hatte für mich eine weitere Tücke. Bei einer mehrwöchigen Exkursion durch Rumänien und Bulgarien hatte ich eine Reihe von Rhyacophila-Exemplaren gefangen und als R. tristis PICTET, 1834 bestimmt. Wie sich jetzt herausstelle, waren auch einige der sehr ähnlichen aber im männlichen Geschlecht bei genauem Hinsehen durchaus unterscheidbaren R. aquitanica darunter, die ich mangels genügender Vorbereitung auf die zu erwartende Fauna schlichtweg übersehen hatte.

Einen Vorteil hat die Geschichte aber doch:
Da ich ganze Serien von echten und vermeintlichen R. tristis-Weibchen gefangen hatte, gelang es mir gemeinsam mit M. Balint, die bislang nicht unterscheidbaren Weibchen von R. aquitanica und R. tristis zu differenzieren. Eine entsprechende Publikation, in der auch auf die Fehlbestimmung der Männchen eingegangen wird, ist in Vorbereitung.

Nun ja, aus Fehlern kann man lernen.

 

P.J. Neu