Anmerkungen zu Wormaldia occipitalis PICTET 1834
Wormaldia occipitalis -„Typ 1“ und –„Typ 2“ sind Arbeitsbezeichnungen für zwei Wormaldia-Arten, die bisher gemeinsam als Wormaldia occipitalis PICTET 1834 geführt wurden, nach neuen Erkenntnissen aber in zwei separate Arten unterschieden werden müssen. Ursächlich hierfür sind Untersuchungen an Tieren, die von mir zunächst als Wormaldia mediana McLACHLAN 1878 fehlbestimmt worden waren. Diese Tiere erwiesen sich zwischenzeitlich als bisher unerkannte Schwesterart innerhalb der Wormaldia occipitalis-Gruppe. Morphologisch unterscheiden sich Wormaldia occipitalis -„Typ 1“ und –„Typ 2“ in Flügelform und -äderung, an der Form von Tergit VIII und Sternit VII, im männlichen Genital an der Form der oberen Anhänge des IX Segments sowie an der Bedornung des Aedeagus. Ferner zeigen statistische Auswertungen deutlich verschiedene Spitzenflugzeiten und sich überschneidende, aber nicht deckungsgleiche Verbreitungsgebiete.
Verbreitung von Wormaldia occipitalis Typ1 und Typ 2
Wormaldia occipitalis Typ 1 lebt in Rheinland-Pfalz in Quellen und Quellbächen. Sie scheint eine zentral- bis westeuropäische Verbreitung zu haben und kommt nach derzeitigem Kenntnisstand von Großbritannien über Deutschland, Frankreich, Nordost-Spanien, Schweiz, Nord-Italien bis ins östliche Österreich vor.
Wormaldia occipitalis Typ 2 kommt ebenfalls in Rheinland-Pfalz in Quellen und Quellbächen vor, oft sogar im gleichen Habitat wie Typ 1. Der Typ 2 besiedelt jedoch auch höhere Lagen und ist im Hochgebirge bis über 2000 m Höhe zu finden. Typ 2 ist von Nordost-Frankreich, Belgien und Luxemburg über Deutschland, Schweiz, Nord-Italien, Österreich, Ungarn, Rumänien und Bulgarien bis nach Griechenland verbreitet. Die nachfolgende Karte gibt einen Überblick über die Verbreitung der Schwesterarten Wormaldia occipitalis- Typ1 und -Typ 2 sowie der Unterart Wormaldia occipitalis vallantorum (BOTOSANEANU, 1980)
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Derzeit wird umfangreiches Material, das mir von europäischen Entomologen zur Verfügung gestellt wurde, weiter untersucht. Insbesondere ist noch eine Untersuchung des Typenmaterials der zahlreichen beschriebenen Unterarten von W. occipitalis erforderlich. Eine Veröffentlichung mit einer Neubeschreibung von Wormaldia occipitalis PICTET 1834 sowie der Beschreibung der bisher nicht erkannten Art aus der Wormaldia occipitalis-Gruppe ist in Vorbereitung.
Unterscheidung von Wormaldia occipitalis Typ 1 und Typ 2
Die vorhandene Bestimmungsliteratur zur Determination der mitteleuropäischen Arten der Gattung Wormaldia ist sehr unübersichtlich und nach meiner Erfahrung nur bedingt geeignet, die Arten dieser Gattung sicher zu unterscheiden. Auch frühere Trichopterologen hatten diese Probleme. In der Sammlung des Senckenberg Museums Frankfurt fand ich von EIDEL gesammelte Tiere des Wormaldia occipitalis- Typs 2, die er einmal als Wormaldia mediana McLACHLAN 1878 und einmal als Wormaldia triangulifera McLACHLAN 1878 bestimmt hatte.
Nachdem ich derzeit 370 Exemplare des Typs 1 und 260 Exemplare des Typs 2 untersucht habe, kann ich die untenstehenden Merkmale zur Artdifferenzierung angeben. Grundlage der Zuordnung der Tiere zur Wormaldia occipitalis-Gruppe - so muss man die Tiere derzeit bezeichnen - waren die Zeichnungen in KIMMINS (1953), MALICKY (1983) und TOBIAS & TOBIAS (1981). Die Zeichnungen in MACAN (1973) sind nicht zu empfehlen. Für die Bestimmung waren zudem zwei Arbeiten (GONZÁLEZ & BOTOSANEANU, 1983 und VIGANÒ, 1974) hilfreich, die mir Herr Berthold Robert aus Dorsten zukommen ließ.
Die in manchen Bestimmungswerken wiedergegebene Anordnung der Stacheln auf der Phallusmembran (siehe auch Abb. 4 und 5) ist in der Praxis nur mit einigem Präparationsaufwand aufzufinden und verschreckt vor allem den Anfänger. Der auch von mir anfangs gescheute Aufwand hatte aber zur Fehlbestimmung einer Art der W. occipitalis-Gruppe als W. mediana geführt und durch die Aufmerksamkeit von Dr. Peter Haase die Diskussionen ausgelöst, die nun wohl zu einer neuen Artbeschreibung führen werden. Auf die Präparation des Aedeagus sollte deshalb nicht verzichtet werden, es sei denn, die übrigen, unten näher dargestellten morphologischen Merkmale führen übereinstimmend zu einer der beiden Arten.
Unterscheidungsmerkmale im männlichen Genital
Siehe Abb. 1.
W. occititalis Typ 1
- in der Lateralansicht ist das obere Ende von Tergit VIII abgerundet oder nur wenig vorspringend
- in der Dorsalansicht schwach ausgeschnittenes Tergit VIII
- in der Lateralansicht sind die oberen Anhänge distal schräg abgeschnitten
- die Bedornung des Aedeagus entspricht dem Typ 1 (Abb. 4)
W. occipitalis Typ 2
- in der Lateralansicht ist der dorsale Rand von Tergit VIII über den Ansatz von Segment X nach hinten verlängert
- in der Dorsalansicht deutlich und breit ausgeschnittenes Tergit VIII
- in der Lateralansicht wirken die Enden der oberen lateralen Anhänge rechteckig bis abgerundet
- die Bedornung des Aedeagus entspricht dem Typ 2 (Abb. 5)
Unterscheidungsmerkmale im weiblichen Genital
In Abb. 2 werden die wesentlichen Unterschiede dargestellt. Hier ist erkennbar, dass bei W. occipitalis-Typ 1 in der Dorsalansicht Sternit VII beidseits unter Tergit VII vorsteht, bei W. occipitalis-Typ 2 wird Sternit VII von Tergit VII verdeckt
Hinweis: Da die in Zentraleuropa vorkommenden Weibchen der Gattung Wormaldia nicht ausreichend beschrieben sind, beinhalten die vorstehenden Unterscheidungsmerkmale die Möglichkeit der Verwechslung mit den Weibchen von anderen noch nicht sicher beschriebenen Arten!
Unterscheidungsmerkmale in der Flügeläderung
Zur Unterscheidung der Arten lassen sich neben den Genitalarmaturen auch Merkmale der Flügeläderung heranziehen (Abb. 3). Die Merkmale gelten für Männchen und Weibchen beider Arten, varieren aber gelegentlich und sollten nur in Verbindung mit den o.a. Merkmalen verwendet werden. Bei den von mir untersuchten Tieren konnte ich feststellen, dass die Länge des Stiels der Gabel 1 im Vorderflügel und die Länge der Gabel 3 im Hinterflügel unterschiedlich sind. Bei Typ 1 ist im Vorderflügel der obere Ast von Gabel 3 etwa dreimal so lang wie ihr Stiel, bei Typ 2 nur etwa zweimal so lang. Im Hinterflügel ist Gabel 3 bei Typ 1 nur wenig kürzer als Gabel 1 und 2, bei Typ 2 ist Gabel 3 deutlich kürzer.
Bitte beachten: Bei einzelnen Tieren waren diese Merkmale nicht immer so deutlich ausgeprägt wie in der Abb. 3!
Unterscheidungsmerkmale in der Aedeagus-Bedornung
Eine Untersuchung der Bedornung der Aedeagi hat gezeigt, dass auch hier Unterschiede festzustellen sind. Insbesondere der Typ 2 ist durch Größe und Anordnung der Dornen oder Stacheln klar gekennzeichnet während der Typ 1 zwar immer einen sehr großen singulären Dorn aber auch unterschiedliche Zahlen und Formen von Einzelstacheln und Stachelgruppen zeigt. Ob sich hierunter weitere Arten oder Unterarten verbergen, bleibt noch zu klären. Die beiden nachfolgenden Tafeln (Abb. 4 und 5) zeigen die Merkmale der Aedeagus-Bedornung..
Abb. 4 Aedeagi von Wormaldia occipitalis, Typ 1
Abb. 5 Aedeagi von Wormaldia occipitalis, Typ 2
Literatur
BOTOSANEANU, L., & G MARLIER (1981): Les Wormalia Ouest-palearctiques (Insecta: Trichoptera) des Collections de l´Institut Royal des Sciences Natureles de Begique. Contribution a l`etude de la variablilite des Wormaldia, Bull. Inst. r. Sciu. nat. Belg., 53-19, Bruxelles, 20-X-1981
BOTOSANEANU, L. (1980): Six nouvelles espèces ou sous-espèces de trichoptéres d’Europe Méridionale (Trichoptera). - Bulletin Zoologisch Museum Universiteit van Amsterdam, 7/17: 165-179.
GONZÁLEZ, M.A. & L. BOTOSANEANU (1983): Étude d’un groupe d’espèces nettement symtatriques de Wormaldia McLACHLAN de l’quest de la péninsule ibérique (Trichoptera). - Bulletin Zoologisch Museum Universiteit van Amsterdam, 9/18: 165-171.
KIMMINS, D.E., (1953): A key to the European species of Wormaldia (Trichoptera, Philopotamidae), with descriptions of two new subspecies, The Annals and Magazine of Natural History, Ser. 12, No. 71
MACAN, T.T. (1973): A Key to the Adults of the British Trichoptera, Freshwater Biological Association, No. 28
MALICKY, H., (1983): Atlas der Europäischen Köcherfliegen, Dr. W. Junk Publishers, The Hague, NL, 1983
TOBIAS, W. & TOBIAS, D. (1981): Trichoptera Germanica - Bestimmungstafeln für die deutschen Köcherfliegen, Teil I: Imagines. - Cour. Forsch.-Inst. Senckenberg, 49, S. 1-672
VIGANÒ, A. (1974): Appunti su alcune specie di tricotteri dell’ Appenino toscano. - Bollettino del Museo di Zoologica dell’ università di Torino, 4 : 25-32.
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